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(0) 08/03/2016 19:17h

Spanien braucht neue Arbeitskultur

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Der Chef der “Ciudadanos”-Partei Albert Rivera hat in seiner Regierungsprogramm-Rede im spanischen Parlament sehr klar ausgedrückt, wo die wirklichen wirtschaftlichen Probleme seines Landes liegen: “Eine Firma kann nur dann produktiv sein, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind. Diese sind nur zufrieden, wenn sie angemessen bezahlt werden und ihr Familienleben mit der Arbeit kombinieren können. Beides ist nicht gegeben in Spanien, was die geringe Produktivität unserer Wirtschaft erklärt und auch den enormen Frust der spanischen Angestellten.”
 
Denn es gibt wenig Flexibilität bei Arbeitszeiten in Spanien, die Gehälter bewegen sich, egal welche Ausbildung jemand hat, mehrheitlich in einem Rahmen von 1200 bis 2500 Euro monatlich und damit weit unter dem nordeuropäischen Niveau, wo die Lebenskosten nur geringfügig höher sind. Leistung wird in Spanien nicht belohnt. Effizientere und transparentere Arbeitsprozesse und der Wille zu geringeren unternehmerischen Margen würden eine gerechtere Gehaltsstruktur möglich machen in den meisten Firmen.
 
Rivera kritisierte in seiner Rede den grossen Widerstand von Firmen und Politik, Investitionen in Forschung und Ausbildung ganz oben auf die Agenda zu setzen und die Investitionen in Infrastruktur und damit in die alte Wirtschaft, weiter nach unten: “Dänemark sollte für uns ein Beispiel sein, wie man eine stabile und nachhaltige Wirtschaft mit einem gerechten und ausgeprägten Sozialstaat vereinbaren kann.” Aber auch die Schweiz oder Deutschland können für Spanien ein Vorbild sein, vor allem bei der beruflichen Ausbildung, bei Gehältern sowie beim Ausgleich von Familie und Arbeit; aber auch beim Thema Mobilität.

Spanien braucht neue Arbeitskultur

Die TV-Serie und Kinofilm “Buscando el norte” beschreibt das Phänomen, dass soviele Spanier in den vergangenen Jahren ins Ausland emigrieren, um eine gerecht bezahlte Arbeit zu finden. Parteien wie “Podemos” sprechen von “Aderlass” und wollen eine “Rückholpolitik”. Aber, dass junge Menschen ihr Glück in anderen Ländern Europas suchen, ist noch das kleinere Übel der aktuellen Spanien-Krise. Denn diejenigen, die gehen, lernen meist viel hinzu: eine neue Sprache, eine neue Kultur und sie lernen Selbständigkeit. Diejenigen, die hier bleiben, bewegen sich dagegen oft nur in einer Komfortzone von Elternhaus und schlechtbezahlten Jobs, mit denen sie sich gerade so über Wasser halten können. Ihre Chancen auf einen gutbezahlten und interessanten Job sinken mit jedem Tag, den sie zuhause bleiben und nicht mobil sind. Der Frust der Daheimgebliebenen ist ein Grund für den grossen Erfolg von “Podemos” bei den letzen Parlamentswahlen.
 
Aber keiner sollte sich aufhalten lassen, zu gehen. Weder Eltern, noch Freunde, noch Partner sollten einen daran hindern, woanders neu anzufangen. Es gibt keine Ausreden. Denn für diejenigen, die aufgrund ihrer familiären Bindungen nicht gehen können, gibt es hier Möglichkeiten, aus der Komfortzone auszubrechen: internationale Netzwerke zum Beispiel.
 
Die Spanier müssen sich öffnen, neue Sprachen, Kulturen, Lebens- und Arbeitsweisen aus der Nähe erleben. Das Land besitzt sehr viel Talent, aber in vielen Chefetagen fehlt es an interkultureller Kompetenz und damit nicht nur an Sprach-, sondern auch an Kulturkenntnissen. Diese kann man nicht aus Büchern lernen, man muss sie leben. Wenn die persönliche Situation es nicht zulässt, dass man Erfahrungen im Ausland sammelt, dann sollte man zumindest zuhause mobil bleiben, offen sein, für neue Freunde, berufliche Möglichkeiten, Sprachen und Kulturen.
 
Denn Spaniens natürlicher Markt liegt in Europa, nicht in Lateinamerika, darauf machte auch der vielfach prämierte Wirtschaftswissenschaftler Juan Velarde kürzlich nochmal aufmerksam: “Wir müssen uns stärker auf Europa konzentrieren, hier exportieren und importieren wir am meisten. Lateinamerika ist aufgrund der kulturellen Nähe bequem, aber es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, alle Karten auf diese Region zu setzen.”
 
Europa zeichnet sich durch eine enorme Sprach- und Kulturvielfalt aus, welche viele spanischen Firmen überfordert.  Hier sind kulturelle Mittler gefragt, das können solche Spanier sein, die sich bereits im europäischen Zielmarkt befinden oder wieder zurückgekommen sind. Aber Firmen können sich interkulturelles Know How auch aneignen durch gezielte Workshops und praktischem Unterricht in interkulturellem Management. Das Angebot von Coaching in diesem Bereich wächst stetig. Bleiben Sie neugierig!  Verlassen Sie Ihre Komfortzone!      

Dr. Stefanie Claudia Müller für Exap Europe Partners

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